Die Findorfer Schule

Die alte Schule

Neben der seelsorgerischen Versorgung plante Findorff auch den Schulbau in den Moor­dörfern mit ein. Er wußte durchaus um die wirtschaftliche Belastung, die dadurch auf die Moorbauern zukam, da die Kosten für einen Lehrer von ihnen mitgetragen werden mußten. Um die Kosten niedrig zu halten, dachte man zunächst an Schulmeister, die den Lehrberuf als Nebengewerbe betreiben und selbst aus dem Moor kommen sollten. Bei der Anlegung des Ortes Kolheim wurde der Schulplatz in der Mitte des Dorfes gleich mit abgesteckt, aber in den nächsten 50 Jahren noch nicht bebaut. Die Kinder der ersten Siedler gingen zunächst nach Gnarrenburg zum Unterricht. Ein erster eigener Schulunterricht fand in Findorf-Kolheim wahrscheinlich in den 1790er Jahren statt, da der erste Lehrer Otto Blanken im Jahr 1804 starb. Ob die Schüler zu ihm kamen, oder ob er eine „Reiheschule“ abhielt, indem er die Schüler abwechselnd auf den einzelnen Anbaustellen um sich versammelte, ist nicht bekannt. Nach dem Tod Otto Blankens wurde Martin Wellbrock als Lehrer angestellt, der den Unterricht bis 1830 in seiner Wohnung abhielt. In diesem Jahr wurde ein Schulhaus auf dem dafür bestimmten Grundstück erbaut. Das neuerbaute Schulhaus war ein ziemlich unansehnlicher Bau und in der Einrichtung den anderen Häusern vollständig gleich: mit Kammer oder Stubenfach, Wohnstube, Alkoven, Flett, Diele mit an beiden Seiten befindlichen Viehställen. Der Nachfolger von Lehrer Wellbrock – nach dessen Tod im Jahr 1830 – wurde Cord Meyer aus Nordsode, der seinen Unterricht wie seine Vorgänger nur im Winter abhielt. Das änderte sich im Jahr 1833, als der Lokalschulinspektor Pastor Kuhlemann starb und Pastor Borstel­mann in Gnarrenburg sein Nachfolger wurde. Im Sommer 1834 führte er die Sommerschule ein, wonach alle schulpflichtigen Kinder ab 8 Jahren am Sonntagmorgen 2 oder 3 Stunden zur Schule kommen mußten. Trotz des Widerstandes der Bauern, die ihre Kinder für diese Zeit zum Hüten des Viehs eingeplant hatten, setzte Pastor Borstelmann, bei Androhung einer Geldstrafe, diese Einrichtung durch. Im Jahr 1839 wurde in einem Ausschreiben des Königlichen Konsistoriums zu Stade der Schulbesuch neu geregelt. (Konsistorium – obere kirchliche Verwaltungsbehörde. Im 18Jh., Anfang 19Jh., gehörte die Regelung von Schulangelegenheiten zu einem Teilbereich kirchlicher Aufgaben.) Danach mußte von Michaelis bis Ostern jedes schulpflichtige Kind an allen Wochentagen die Schule besuchen, außer Mittwoch und Sonnabend nachmittag. Für die Sommerschule galt: an allen Wochentagen 4 Stunden Unterricht für alle schulpflichtigen Kinder bis zu 10 Jahren, an 2 Tagen je 4 Stunden Unterricht für ältere Schüler. Die Sonntagsschule blieb bestehen. Jeden 2. Sonntag im Monat mußte dem Pastor eine über den Schulbesuch der Schüler geführte Anwesenheitsliste vorgelegt werden. Bei unrechtmäßigem Fehlen eines Schülers mußten 2 oder 3 Pf Strafe gezahlt werden. Das Strafgeld wurde verwendet für arme Kinder, die ihr Schulgeld oder ihre Schulbücher nicht bezahlen konnten, oder zur Anschaffung von Lehrmitteln. Durch die Mehrarbeit und eine steigende Schülerzahl sollte sich das Gehalt eines Lehrers, bei einer Stelle mit über 60 Schülern, im Jahr 1858 auf 150 Taler erhöhen (im Jahr 1830 17 Taler). Einen Teil davon zahlte der Staat, einen Teil die Eltern durch das Schulgeld, einen Teil die Gemeinde durch Umlage. Im Jahr 1858 genehmigte die Gemeinde für die Schulstelle in Kolheim jedoch nur ein Gehalt von 130 Talern. Für die zurückbehaltenen 20 Taler versprach sie, eine Schulwiese ankaufen zu wollen.
Mit der Vergrößerung der Orte Findorf und Kolheim stieg auch die Schülerzahl, so daß in den 1860er Jahren der Schulbau sich als zu klein erwies. Es wurde ein größerer Anbau geplant, der im Jahr 1863 ausgeführt wurde. Das Schulzimmer hatte jetzt eine Fläche von 54 m2. 1897 war wieder eine Änderung nötig. Es wurde beschlossen, den alten vorderen Teil ab­zureißen. An seiner Stelle wurden 2 neue Klassenräume errichtet. Am 1. April 1898 wurde ein 2. Lehrer angestellt. Die Zeichnung zeigt, wie zu jener Zeit das Schulhaus innen aufgeteilt war. Im Dezember 1906 wurde eine Schulfahne angeschafft mit der Inschrift: „Schule der Gemein­den Kolheim-Findorf 1906″. Im Jahr 1909, als Rudolf Schluer als Lehrer angestellt wurde, wurde eine umfassende Reno­vierung des Schulhauses vorgenommen. Im Laufe der Zeit waren die Mauern so stark unregelmäßig gesackt, daß sie gehoben werden mußten. Die Arbeit wurde besonders er­schwert durch die beiden auf Pfählen festfundamentierten Schornsteine. Ein Schornstein mußte zur Hälfte abgebrochen und von neuem wieder aufgebaut werden. Aber trotz der hohen Reparaturkosten konnte das größte Übel, das Versacken der Wände, nicht aufgehalten werden. Im Laufe des Jahres 1910 waren die Flurwände wieder stark gerissen und die Türen zum Teil nicht mehr verschließbar. Nach den Kriegsjahren des 1. Weltkrieges war 1920 wieder eine größere Instandsetzung des Schulhauses fällig. Im Jahr 1938 stellten sich so große Schäden am Schulhaus heraus, daß eine Renovierung zu teuer und außerdem zwecklos erschien. Ein Neubau wurde geplant. Doch die folgenden Kriegsjahre des 2. Weltkrieges machten diesen Plan zunichte. Am 21. Januar 1946 brannte die alte Schule ab. Lehrer Schluer berichtet in der Findorfer Schulchronik darüber: „Als eben nach der 4. Pause um 12 Uhr die Schule wieder begonnen hatte, kam plötzlich meine Frau in die Klasse gerannt mit dem Rufe ,Die Schule brennt!‘ Das gab eine gewaltige Aufregung; aber, beruhigt durch den Lehrer wurden die Kinder, nachdem sie alle ihre Sachen zusammengepackt hatten, geordnet aus der Klasse ins Freie hinausgeführt. Sie liefen nun durchs Dorf und alarmierten die Dorfbewohner. Um etwa 12 Uhr 20 wurde von uns telephonisch die Feuerwehr in Gnarrenburg benachrichtigt, und so glaubten wir, daß noch alles nicht so schlimm werden würde. Das Feuer ist vermutlich durch Schornsteinbrand entstanden. Angenommen wird, daß auf dem unsicheren Bodengrund im Moor der Schornstein undicht geworden ist und daß dies auch nicht von dem Schornsteinfeger, welcher noch im Dezember die Schornsteine gefegt hat, bemerkt worden ist. Die Schornsteine waren .Russische Röhren‘, welche ja eigentlich für ein Strohdach nicht mehr vorschriftsmäßig waren. Jedenfalls ist das Feuer an einem dieser Schornsteine entstanden. Bemerkt wurde es zuerst von Nachbar Brünjes, Nr. 12, der aus seinem Küchenfenster, als die Familie beim Mittagessen war, plötzlich die hellen Flammen aus dem Strohdach des Schul­hauses schlagen sah und uns, die wir noch nichts bemerkt hatten, die Nachricht überbrachte. Da der Boden vollständig rein war, durften wir annehmen, daß die Schule und Wohnung, in der neben dem Lehrer noch 3 Flüchtlingsfamilien wohnten, wohl noch zu halten seien. Da genügend Leute zusammenliefen, konnte fast alles Gut aus den unteren Räumen geborgen werden. Aber, es verging die Zeit, und die rechtzeitig alarmierte Feuerwehr kam nicht. Es wurde nachher angegeben, die Motor­spritze habe nicht fahren können, da der Motor nicht in Ordnung gewesen sei, und für die Handspritze habe man kein Gespann auftreiben können, da die Pferde nicht scharf gewesen seien. Nach Meldung bei dem zuständigen Schulrat hat dieser sich sofort mit der Militärregierung in Bremervörde in Verbindung gesetzt. Der Gouvernuer hat darauf sofort eine Baracke von der Muna in Zeven für die Schulgemeinde zur Verfügung gestellt. Am 7. Februar konnte mit dem Abbau der Baracke begonnen werden und am 13. Februar wurde sie nach hier geholt. Schon am 5. 2.1946 wurde, veranlaßt vom Lehrer, der Unterricht im beschränkten Maße wieder aufgenommen. In der Tietjenschen Gaststube wurde an 4 Tagen der Woche … Unterricht gehalten, wegen des beschränkten Raumes aber wurde von 8-10 die Oberstufe und Mittelstufe und von 10-12 die Unterstufe unterwiesen.“9)

©1981 – Werner Quell

Die neue Schule

Die Baracke, in der 3 Jahre lang der Schulunterricht stattgefunden hatte, war als Klassen­raum völlig ungeeignet. Im Winter machte die Kälte den Kindern und dem Lehrer zu schaffen, und viele Erkältungskrankheiten waren die Folge. Im Sommer war es die unerträgliche Hitze und das Herabtropfen des Teers von der Decke, die einen Unterricht unmöglich machten. Im Jahr 1949 wurde endlich der langersehnte Schulneubau Wirklichkeit. Man hatte aus den Fehlern des alten Schulbaues gelernt, und darum wurde das Fundament für den geplanten Massivbau auf ganz neue Weise gelegt. Der erste Pfahlbau in Findorf-Kolheim entstand. Am 11. 8. 1949 wurde mit den Erdarbeiten begonnen und eine Fläche von 9,06 m x 9,44 m zum größten Teil bis zu einer Tiefe von 1,50 m ausgeschachtet. Von der Firma Steeneck in Gnarrenburg wurden dann 89 Pfähle von 4,5 m Länge und einem Durchmesser von etwa 20 cm geliefert. Diese Pfähle wurden von immer 6 bis 8 Männern – Einwohnern des Dorfes – durch das Moor bis in den Sandboden gerammt. Die Männer zogen über eine Woche lang von morgens bis abends den 2 Zentner schweren Rammklotz in die Höhe und ließen ihn mit ungeheurer Wucht auf die eingesteckten Pfähle niedersausen! Immer 3 bis 4 Pfähle wurden auf einer Stelle in das Moor gerammt. Über 200 Schläge waren nötig für einen Pfahl, bis er die vorgeschriebene Tiefe erreicht hatte. Das obere Ende der Pfähle lag ungefähr 1,20 m unter der Erdoberfläche. Wie glücklich waren die Findorf-Kolheimer, als diese ungeheure Arbeit endlich geschafft war! Auf immer 3 bis 4 Pfähle wurden anschließend starke eiserne Platten genagelt, und von Platte zu Platte wurde je ein Bogen gemauert. Die Firma Bohling aus Glinstedt konnte mit den folgenden Maurerarbeiten beginnen. Die anfänglich wegen Geldknappheit nicht eingeplante Lehrerwohnung ließ dem Lehrer Artur Ortmann keine Ruhe. Er machte sich Gedanken darüber, ob ein so starker Unterbau nicht auch noch einen Aufbau über den geplanten Klassenräumen tragen konnte. Er wies die Findorf er auf diesen Gedanken hin und stieß damit bei einigen auf Ablehnung, bei anderen, besonders bei Bürgermeister Homburg, fand er jedoch Verständnis. Bedenken erregten die entstehenden Mehrkosten von 4500 DM. Durch Verhandlungen mit der Regierung und dem Kreis wurde jedoch erreicht, daß beide Stellen sich bereit erklärten, den größten Teil der Kosten zu finanzieren. Im Sommer 1950 fand die Einweihung der Schule statt. 16 Jahre später, am 1. 12. 1966, wurde die Schule in Findorf wegen zu geringer Schüler­zahl geschlossen. Bis zum Jahr 1973 besuchten die Findorf er Kinder in Gnarrenburg die Schule. Infolge einer Neuorganisation im Schulwesen fahren seit jenem Jahr die Schüler der Klassen 1 bis 4 zur Grundschule nach Karlshöfen, ab Klasse 5 besuchen sie die Orientierungsstufe in Gnarrenburg. Im Jahr 1972 wurde die Findorf er Schule an einen Privatmann verkauft.

Die Baracke, in der 3 Jahre lang der Schulunterricht stattgefunden hatte, war als Klassen­raum völlig ungeeignet. Im Winter machte die Kälte den Kindern und dem Lehrer zu schaffen, und viele Erkältungskrankheiten waren die Folge. Im Sommer war es die unerträgliche Hitze und das Herabtropfen des Teers von der Decke, die einen Unterricht unmöglich machten. Im Jahr 1949 wurde endlich der langersehnte Schulneubau Wirklichkeit. Man hatte aus den Fehlern des alten Schulbaues gelernt, und darum wurde das Fundament für den geplanten Massivbau auf ganz neue Weise gelegt. Der erste Pfahlbau in Findorf-Kolheim entstand. Am 11. 8. 1949 wurde mit den Erdarbeiten begonnen und eine Fläche von 9,06 m x 9,44 m zum größten Teil bis zu einer Tiefe von 1,50 m ausgeschachtet. Von der Firma Steeneck in Gnarrenburg wurden dann 89 Pfähle von 4,5 m Länge und einem Durchmesser von etwa 20 cm geliefert. Diese Pfähle wurden von immer 6 bis 8 Männern – Einwohnern des Dorfes – durch das Moor bis in den Sandboden gerammt. Die Männer zogen über eine Woche lang von morgens bis abends den 2 Zentner schweren Rammklotz in die Höhe und ließen ihn mit ungeheurer Wucht auf die eingesteckten Pfähle niedersausen! Immer 3 bis 4 Pfähle wurden auf einer Stelle in das Moor gerammt. Über 200 Schläge waren nötig für einen Pfahl, bis er die vorgeschriebene Tiefe erreicht hatte. Das obere Ende der Pfähle lag ungefähr 1,20 m unter der Erdoberfläche. Wie glücklich waren die Findorf-Kolheimer, als diese ungeheure Arbeit endlich geschafft war! Auf immer 3 bis 4 Pfähle wurden anschließend starke eiserne Platten genagelt, und von Platte zu Platte wurde je ein Bogen gemauert. Die Firma Bohling aus Glinstedt konnte mit den folgenden Maurerarbeiten beginnen. Die anfänglich wegen Geldknappheit nicht eingeplante Lehrerwohnung ließ dem Lehrer Artur Ortmann keine Ruhe. Er machte sich Gedanken darüber, ob ein so starker Unterbau nicht auch noch einen Aufbau über den geplanten Klassenräumen tragen konnte. Er wies die Findorf er auf diesen Gedanken hin und stieß damit bei einigen auf Ablehnung, bei anderen, besonders bei Bürgermeister Homburg, fand er jedoch Verständnis. Bedenken erregten die entstehenden Mehrkosten von 4500 DM. Durch Verhandlungen mit der Regierung und dem Kreis wurde jedoch erreicht, daß beide Stellen sich bereit erklärten, den größten Teil der Kosten zu finanzieren. Im Sommer 1950 fand die Einweihung der Schule statt. 16 Jahre später, am 1. 12. 1966, wurde die Schule in Findorf wegen zu geringer Schüler­zahl geschlossen. Bis zum Jahr 1973 besuchten die Findorf er Kinder in Gnarrenburg die Schule. Infolge einer Neuorganisation im Schulwesen fahren seit jenem Jahr die Schüler der Klassen 1 bis 4 zur Grundschule nach Karlshöfen, ab Klasse 5 besuchen sie die Orientierungsstufe in Gnarrenburg. Im Jahr 1972 wurde die Findorf er Schule an einen Privatmann verkauft.

©1981 – Werner Quell